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Richard Wagner's Manifest.

   


Deutschland!

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer, und es war finster in der Tiefe.

Was that Gott? Er sprach: Es werde Wagner. Und es ward Wagner. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag in Bayreuth.

Leider hatte es Gott nicht lassen können und auch Menschen geschaffen, und diese überflutheten Bayreuth.

Ich habe nicht zu verhindern vermocht. Ich mußte es auch dulden, daß diese Menschen mit unbeschreiblicher Frechheit einen Patronatsschein kauften, die Stirn hatten, die Reise zu unternehmen, sich nicht entblödeten, die Hitze und Entbehrungen in Bayreuth zu ertragen und hier aller Unverschämtheit die Krone dadurch aufzusetzen, daß sie sich im Dunkel Meines Theaters sonnten.

Während Ich daran denke und dies schreibe, stehen Mir die Lorbeeren zu Berge und wankt Mir der Sockel unter den Füßen.

Ja, es kamen Menschen nach Bayreuth, gewöhnliche, gemeine Menschen, mit den gewöhnlichsten irdischen und landesüblichen Ohren, mit den Gehirnen, von denen fünfzehn auf eine Mandel gehen. Sie kamen und ballten sich zu einem sogenannten Publikum zusammen, wie etwa zu einem Drama Schillers, zu einer Dame ohne Unterleib, zu einer Oper Mozarts, zum Aufsteigen eines Luftballons, oder zu sonst einem ganz gewöhnlichen Schauspiel.

Ich war wie aus der Zukunft gefallen, als Ich dies sah. Aber Ich fühlte Mich geradezu der Sterblichkeit nahe, und der Angstschweiß trat Mir auf den Heiligenschein, als Ich bemerkte, daß sich unter den Menschen etwelche befanden, welche andere Componisten hatten neben Mir, das Dogma von der ewigen Melodie bestritten, um die goldene Hochzeit des Figaro tanzten, ja, dem Wagnerseibeiuns Rossini sich verschrieben hatten. Und Ich habe sie dulden müssen, diese Wagnerleugner, diese Musikheiden, diese Melodiendiener, denn sie hatten bezahlt, und ihr verruchtes Geld klang in Meinem Kasten, da Ich mit dem Rheingold allein das Deficit nicht zu schaffen vermochte.

Nun aber, Deutschland, erwarte Ich, daß Du Dich der Ehre würdig zeigst, Mein Vaterland zu sein. Du hast von Deinen Volksvertretungen schon oft für die Schule, für Eisenbahnen, für den französischen Krieg, für den Nothstand und für andere unnütze Dinge Geld verlangt, nun verlange von Deinem Reichstage jährlich hunderttausend Mark zum Ankauf von Zuschauerplätzen für die solcher Auszeichnung Würdigen.

Nur so wird es möglich sein, daß fortan keine Menschen nach Bayreuth kommen, sondern nur geaichte Wagnerianer.

Mir blutete Meine Unfehlbarkeit, als Ich erfahren mußte, daß bei den jüngsten Reichstagswahlen die Candidaten nicht nach ihrem musikalischen Bekenntiß gefragt und daß somit Männer gewählt wurden, welche der Partei Wagner sans phrase nicht angehören, aber noch ist es nicht zu spät, wenn der Reichstag seine Pflicht thut: er gebe dem Kaiser, was des Kaisers, und Wagner, was Wagners ist, sagt der Prophet.

Bedenkt der Deutsche Reichstag, daß Ich von der Höhe von Bayreuth auf ihn herabschaue, so wird er den Antrag ohne Discussion annehmen. Im anderen Falle wäre es wohl passend, wenn während des Hammelsprungs etliche Leitmotive aus Meinem Rheingold geblasen würden.

Die jüdischen Mitglieder des Reichstags dürfen mitstimmen, wenn sie das Geld bewilligen.

Dagegen, Deutschland, verpflichte Ich Mich, den Reichstag acht Tage nach Bewilligung des Geldes auf das Tiefste zu beleidigen, wie ich bisher Alle beleidigt habe, die Mir hülfreich und freundschaftlich entgegenkamen, so eben jetzt die Menschen, welche in die Bühnenfestspiele verwickelt waren.

So wahr Wagner lebt!


 

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