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Der Militarismus bei den Zulus.

 
 
 

Die Niederlage der Engländer hat die Augen der Welt in so hohem Grade auf die kriegerischen Verhältnisse der Kaffern gelenkt, daß wir glaubten, einige nähere Erkundigungen über die bewunderswürdige Wehrverfassung dieses Volkes, welche die vielgerühmte preußische Militärorganisation so erheblich verdunkelt, einziehen zu müssen.

Daß die Dienstpflicht der Zulus eine ununterbrochene, von der Wiege bis zum Grabe dauernde ist, bestätigte sich vollauf. Besonders interessant aber erscheint die Art, in der diese Dienstpflicht in den ersten Stadien des Lebensalters ausgeübt wird.

Sobald der Zulu geboren wird, hat er sich bei der Bataillonsamme seine Bezirks persönlich zu melden, um in die Stammrolle eingetragen und eingekleidet zu werden. Hierauf wird er einem bestimmten aus Säuglingen bestehenden Truppentheil überwiesen, und es beginnen nunmehr die Detail-Exercitien unter Aufsicht der Compagnieamme.

Um die natürliche Entwicklung der jugendlichen Körper nicht zu beeinträchtigen, übe die eincasernirten Zulu-Babies während der ersten 8 Tage im Bette. Es wird darauf gehalten, daß dieselben auch im Schlafe stets mit durchgedrückten Knieen und rechtwinklich auseinander gedrehten Fußspitzen daliegen und die Handballen nach auswärts drehen. Gleichzeitig werden ihnen die nöthigsten Griffe beigebracht. Für Instandhaltung der Montirungsstücke, Lutschbeutel und Saugflaschen haben die Zulusäuglinge selbst zu sorgen.

Nach Verlauf dieser Zeit wird der kleine Zulu vereidet und werden ihm die Kriegsartikel vorgelesen. Gewöhnlich kommt er dann gleich an demselben Tage auf Wache.

Besonderes Gewicht wird auf die Instruction gelegt, welche von dem Corporalskindermädchen gehalten wird. -- In den dienstfreien Pausen werden fleißig Appells mit Windeln veranstaltet.

Um den Ehrgeiz der Zulusäuglinge zu beleben, stellt man ihnen rasches Avancement in Aussicht; indeß gehört der Fall, daß ein Zulu vor zurückgelegtem 10. Lebens-Monat zum Gefreiten befördert worden wäre, zu den Seltenheiten.

Daß bei solcher Vorbildung späterhin die erfreulichsten Resultate erreicht werden mußten, liegt auf der Hand. Gleichwohl kann man den Kaffern nicht nachsagen, daß sie das Militärprincip bis auf die Spitze treiben, da sie jährlich eine Anzahl altersschwacher Greise nach siebzigjährigem ununterbrochenen Dienst in der Front als "Königsurlauber" zu entlassen pflegen.

Wann endlich werden auch wir in Preußen uns dazu entschließen, der Regierung die Mittel zur Durchführung einer derartigen Organisation zu bewilligen?

  

 (aus: Nr. 17, 25. April 1879)

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