Newsletter abonnieren!
 de.groups.yahoo.com

 

Zur Lösung der Theater-Censur-Frage.

 
 
 

Durch das bekannte Ereigniß in dem Pommerschen Warnstedtchen ist die Theater-Censur-Frage wieder aufgeworfen und auf's Neue von allen Seiten beleuchtet worden.

Wir wollen uns nicht an diesen Debatten betheiligen, glauben aber, ein Gesetz vorschlagen zu können, dessen Annahme allem Streit, vor Allem aber allen den Theatern so sehr unwillkommenen polizeilichen Schritten ein Ende machen würde.

Dieses Gesetz müßte ungefähr folgenden Wortlaut haben:
 

§ 1. Nur den Beamten der Polizei ist, vom Tage der Publication dieses Gesetzes an, das Verfassen dramatischer Werke gestattet.

§ 2 a. Der Polizeipräsident des Ortes dichtet die historischen Trauerspiele und bürgerlichen Dramen.

b. Das Dichten der Intriguenlustspiele wird von den Criminalbeamten besorgt.

c. Das Volksstück und das Charaktergemälde werden von Schutzmännern, vom Wachtmeister abwärts, verfaßt.

d. Die Lokalpossen werden von der Marktpolizei und dem Corps der Nachtwächter geschrieben.

§ 3. Bringt ein nicht polizeilicher Dichter ein Stück auf die Bühne, so wird derselbe von dem der Probe anwohnenden Theaterpolizeichef stürmisch herausgerufen und augenblicklich verhaftet.

§ 4. Die bisherigen bürgerlichen Bühnendichter können sich, um der in § 3 angedrohten Eventualität zu entgehen, zum Polizeidienst anmelden und werden, falls Vacanzen vorhanden sind, gleichzeitig mit den civilversorgungsberechtigten Unteroffizieren der Armee thunlichst berücksichtigt.


 
 
 (aus: Nr. 3, 12. Jahrgang, 17. Januar 1879)

Newsletter abonnieren!
de.groups.yahoo.com