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Der unsichere Reichskanzler.

 


Die Mittheilungen einiger Journale, der Polizeipräsident von Madai sei in Friedrichsruh gewesen und habe die für die Person des Reichskanzlers getroffenen Sicherheitsmaßregeln als ungenügend bezeichnet, wird nicht nur uns beunruhigt haben. Indeß ist mit der uns und unsere Leser persönlich beschleichenden Unruhe ungemein wenig gethan und geholfen, und wir wollen uns daher bemühen, dem verehrten Polizeipräsidenten einige Andeutungen zu geben, wie die Sicherheit des Reichskanzlers zu vergrößern sein wird.

Gegen die den Reichskanzler bekanntlich ärgende Fliege an der Wand dürfte die Gendarmerie nicht mit Erfolg zu verwenden sein, so lange dieselbe nicht speciell auf den Fliegenfang einexercirt ist. Wir empfehlen bis zur Einführung eines Fliegengesetzes die Fliegenflasche und die Fliegenstöcke. Erweisen sich diese als ungenügend, so sind sofort und zwar auf Reichskosten die Wände der Bismarck'schen Stuben mit dem bekannten Fliegenpapier zu tapeziren und Decken und Fußböden mit Fliegenleim zu bedecken. Zum Feuchthalten der Tapeten und täglichen Erneuerung der Leimschicht ist eine Abtheilung unserer Feuerwehr als Fliegenwehr nach Friedrichsruh zu kommandiren.

Die Interviewer sind mit List zu bekämpfen. Der Polizeipräsident lasse von Herrn Castan einen Wachskanzler anfertigen und setze solchen in den Empfangssalon der Bismarck'schen Wohnung. Die Figur wird, bevor der Interviewer eindringt, aufgezogen und nickt dann mit dem Kopf oder schüttelt das Haupt. Nach einer halben Stunde findet eine Handbewegung statt, welche den Interviewer entläßt.

Für die Momente, in welchen der Reichskanzler Grillen fängt, sind solche bereit zu halten, damit der Lenker der Politik nicht in einer vergeblichen Jagd eine geplante Unsicherheit seiner Person zu erblicken im Stande ist.

Ein Beamter ist an dem linken Fuß des Reichskanzlers anzustellen, damit solchergestalt verhindert werde, daß der Reichskanzler mit besagtem Fuß zuerst aus dem Bett komme. Geschieht dies, so sieht der Reichskanzler den ganzen Vormittag seine Sicherheit als gefährdet an. Aus demselben Grunde haben andere Beamte dafür zu sorgen, daß dem Reichskanzler Nichts über den Weg, über die Leber u. s. w. läuft.

Eine große Gefahr liegt allerdings in der Vermehrung der Schutzmannschaft und Gendarmerie, da eine Beamtenanhäufung allerlei Unannehmlichkeiten nach sich zieht. Solche zu beseitigen, sind besondere Beamte aufzustellen.

 

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