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Einige Winke für die Italia Irredenta.

 
 
Anknüpfend an die Besprechung des beim Begräbniß des Generals Avezzana durch die Mitglieder der Italia Irredenta provocirten Skandals schreibt die mit dem italienischen auswärtigen Amt in Verbindung stehende "Italie", daß die Apostel jener Verbindung auf mehr ausgehen, als nur auf die Erwerbung von Istrien und Südtyrol, daß sie vielmehr auch die "Befreiung" von Nizza, Corsika, Malta und des Tessin auf ihr Programm gesetzt haben.

Es ist keinen Augenblick daran zu zweifeln, daß das Programm in Bälde vollinhaltlich ausgeführt werden wird, da zu dessen Erfüllung ersichtlich nichts weiter erforderlich ist, als Oesterreich, Frankreich, England und die Schweiz mit Krieg zu überziehen und zu demüthigen. Darf aber die Italia Irredenta alsdann bei diesen Resultaten stehen bleiben? Darf sie sich als Siegerin von Europa mit verhältnißmäßig so winzigen Eroberungen begnügen? Wir behaupten: Nein und dreimal Nein! Sie wird im Gegentheil bestrebt sein müssen, ihr Programm zu erweitern und die folgenden Anschauungen zu den ihrigen zu machen:

Erstens muß noch das Königreich Sachsen annectirt werden, denn es ist ein erweislich italienisches Territorium. Die Einwohner eines Landes, die ihre Hauptstadt mit Stolz Elb-Florenz nennen, geben sich dadurch selbst als Stammesbrüder der Italiener zu erkennen und müssen mithin von dem sächsischen und deutschen Joch befreit werden. Zudem erhält jenes Elb-Florenz noch ein apartes "italienisches Dörfchen", um dessentwillen allein schon die Lostrennung unternommen werden muß.

Daß es ferner eine Schmach ist, das nordische Venedig, Danzig, noch immer unvereint mit seinem ideellen Vaterlande zu sehen, muß jeder Unparteiische zugeben. Wie richtig die Behauptung von dem Italianismus  jener beiden Städte ist, geht schon daraus hervor, daß noch Niemand von einem "südlichen Danzig" oder "Arno-Dresden" gesprochen hat.

Berlin muß selbstverständlich auch befreit werden. In dieser Stadt wird nicht nur beim italienischen Gesandten, sondern auch zeitweise auf verschiedenen Bühnen italienisch gesprochen. Ferner beschäftigen sich daselbst viele Leute der vermögenden Klasse mit Lombarden, machen italienische Nächte mit, essen italienischen Salat und gehen bisweilen in die societa enologica italiana. Grund genug, um Berlin von den Preußen zu erlösen.

Daß Bismarck dagegen allzu ernste Einsprache erheben wird, ist, nebenbei bemerkt, kaum zu befürchten, da auch dieser in hohem Grade italienisch zu sein scheint. Wenigstens ist bei ihm, wie bekannt, ein Calabreser die Hauptsache.

 

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