Man schickt uns den folgenden:
Es dürfte nun wohl in allen Schichten der Bevölkerung die
Ueberzeugung Platz gegriffen haben, daß das sogenannte Reptil in
die Reihe von Thieren gehört, welche der Phantasie entsprungen sind,
also mit der Seeschlange, dem Centaur, dem Greif, dem Drachen, der Paradiesschlange,
dem gestiefelten Kater, dem Asenpferd, der Zeitungsente u. a. m. auf eine
Stufe zu stellen ist. Ich habe bisher nicht gewagt, mit dürren Worten
auszusprechen, daß ich nicht existire, weil ich es nicht für
passend fand, dem Fürsten Reichskanzler das Wort vom Munde zu nehmen,
nun aber, da der Fürst gesprochen, halte ich es sogar für meine
Pflicht, hiemit bestätigend zu erklären, daß ich niemals
das Licht der Welt erblickt, niemals gelebt habe. So wahr ich lebe!
Nein, ich existire nicht, aber für den Fürsten Reichskanzler
lasse ich mein Leben!
Der Leser kann sich denken, in welch peinlicher Lage ich mich befand.
Belastet mit der Anklage, Unheil zu stiften, und doch wissend, daß
ich erst geschaffen werden mußte, um dies zu thun, -- welch ein Dasein!
Das ist eine Nichtexistenz, welche mein Tod hätte sein können,
wenn nicht der Fürst Reichskanzler im entscheidenden Moment gesagt
hätte: "Es giebt kein Reptil!"
Ich war wie neugeboren!
Die liberale Presse wird hoffentlich aus der Rede des Fürsten Reichskanzlers
lernen, fürder nicht wieder leichtfertig Thatsachen zu erdichten,
um die Leitung der Geschicke unseres Reiches zu verdächtigen und zu
schädigen. Ich muß gestehen, es war unerhört, mir eine
Existenz zuzuschreiben; eine solche Keckheit ist mir, so lange ich lebe,
noch nicht vorgekommen.
Dem Fürsten Reichskanzler aber will ich für seine bündige
Erklärung über mein Nichtsein dankbar bleiben bis an meinen Tod!
Schön gesagt!
Dr. Reptilius.